Patrick Panteix
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Follow the Network: Wie MACHTNETZWERKE DEUTSCHLAND recherchiert wurde

Recherchearbeitsplatz mit Registern, Parlamentsdokumenten, Geschäftsberichten, Zeitlinien und digitaler Netzwerkanalyse.

TEXT – HTML ZUM KOPIEREN/EINFÜGEN

Wie recherchiert man ein Buch über Macht, Netzwerke und Verbindungen, ohne aus jeder Bekanntschaft eine Verschwörung und aus jeder Überschneidung einen Beweis zu machen?

Die Antwort klingt unspektakulär:

Man beginnt mit Dokumenten.

Nicht mit einer These, die um jeden Preis bestätigt werden soll.

Nicht mit Gerüchten.

Nicht mit der Frage, wer „hinter allem steckt“.

Sondern mit Namen, Funktionen, Zeiträumen, Organisationen und Quellen.

Genau auf dieser Grundlage entstand MACHTNETZWERKE DEUTSCHLAND.

Das Ziel war nicht, eine geheime Pyramide zu zeichnen.

Das Ziel war, öffentlich dokumentierbare Verbindungen sichtbar zu machen.

1. ZUERST DIE QUELLE, DANN DIE VERBINDUNG

Eine Netzwerkkarte kann nur so belastbar sein wie die Informationen, aus denen sie besteht.

Deshalb beginnt jede wichtige Verbindung mit einer einfachen Frage:

Woher wissen wir das?

Eine offizielle Registereintragung besitzt einen anderen Beweiswert als ein Social-Media-Beitrag.

Ein Geschäftsbericht besitzt einen anderen Beweiswert als eine anonyme Behauptung.

Eine parlamentarische Veröffentlichung ist etwas anderes als eine Vermutung in einem Kommentar.

Für die Recherche werden deshalb Quellen nach ihrer Belastbarkeit unterschieden.

Besonders wichtig sind:

amtliche Register,

Gesetze und Parlamentsdokumente,

offizielle Biografien,

Geschäfts- und Jahresberichte,

Organ- und Gremienlisten,

Unternehmensmitteilungen,

institutionelle Veröffentlichungen,

und seriöse journalistische Quellen zur Ergänzung und Einordnung.

2. REGISTER SIND DAS GEDÄCHTNIS VIELER ORGANISATIONEN

Ein wichtiger Teil der Recherche beginnt in öffentlichen Registern.

Das gemeinsame Registerportal der Länder ermöglicht den Zugriff auf Daten aus Handels-, Genossenschafts-, Partnerschafts-, Gesellschafts- und teilweise Vereinsregistern.

Dort können unter anderem aktuelle, chronologische und historische Registerauszüge sowie eingereichte Dokumente abgerufen werden.

Das Unternehmensregister ergänzt diese Ebene um Jahresabschlüsse, Finanzberichte, Kapitalmarktinformationen, Gesellschaftsbekanntmachungen und weitere rechtlich relevante Unternehmensdaten.

Solche Dokumente sind besonders wertvoll, weil sie Veränderungen sichtbar machen.

Wer war Geschäftsführer?

Wer wurde in ein Organ berufen?

Wann änderte sich eine Beteiligungsstruktur?

Welche Gesellschaft existierte zu welchem Zeitpunkt?

Eine aktuelle Website zeigt häufig nur den heutigen Zustand.

Eine Netzwerkanalyse braucht jedoch auch die Vergangenheit.

3. ZEIT IST EINE EIGENE DIMENSION DES NETZWERKS

Zwei Namen in derselben Organisation bedeuten wenig, wenn sie dort zwanzig Jahre auseinander tätig waren.

Zwei Funktionen können dagegen erheblich interessanter werden, wenn sie gleichzeitig ausgeübt wurden.

Deshalb erhält jede relevante Verbindung möglichst eine Zeitachse.

Beginn.

Ende.

Überschneidung.

Vorherige Funktion.

Nächste Funktion.

Die Chronologie schützt vor einem der häufigsten Fehler bei Netzwerkkarten:

Personen miteinander zu verbinden, die sich institutionell zwar am selben Ort befanden – aber niemals zur selben Zeit.

4. DAS LOBBYREGISTER ZEIGT EINEN TEIL DER INTERESSENVERTRETUNG

Seit dem 1. Januar 2022 wird beim Deutschen Bundestag das öffentliche Lobbyregister für Interessenvertretung gegenüber Bundestag und Bundesregierung geführt.

Es enthält unter anderem Angaben zu Interessenvertretern, vertretungsberechtigten und mit Interessenvertretung betrauten Personen, Tätigkeitsbereichen, finanziellen Aufwendungen sowie – bei Interessenvertretung im Auftrag Dritter – zu Auftraggebern.

Für namentlich aufgeführte Personen wird außerdem angegeben, ob aktuell oder innerhalb der vergangenen fünf Jahre bestimmte Mandate, Ämter oder Funktionen in Bundestag, Bundesregierung oder Bundesverwaltung bestanden haben.

Damit wird ein Teil dessen sichtbar, was häufig als „Drehtüreffekt“ bezeichnet wird.

Doch auch das Lobbyregister ist kein vollständiges Verzeichnis sämtlicher gesellschaftlicher Beziehungen.

Es dokumentiert den Bereich, den das Lobbyregistergesetz erfasst.

Für eine umfassendere Netzwerkanalyse müssen deshalb weitere Quellen hinzukommen.

5. PARLAMENTSDOKUMENTE ZEIGEN, WER INSTITUTIONELL GEHÖRT WIRD

Der Deutsche Bundestag veröffentlicht zahlreiche Dokumente, die für eine Netzwerkanalyse von Bedeutung sein können.

Dazu gehören beispielsweise öffentliche Anhörungen von Ausschüssen, schriftliche Stellungnahmen und Angaben über bestimmte Tätigkeiten und Funktionen von Abgeordneten.

Solche Quellen können zeigen, wer zu einem bestimmten Thema als Sachverständiger eingeladen wurde oder welche anzeigepflichtigen Funktionen ein Abgeordneter neben dem Mandat ausübt.

Aber auch hier gilt:

Eine dokumentierte Verbindung beschreibt zunächst eine Verbindung.

Sie beweist nicht automatisch, dass daraus eine konkrete politische Entscheidung entstand.

6. EIN NAME MUSS ZWEIMAL GEPRÜFT WERDEN

Je größer eine Datenbank wird, desto gefährlicher werden Namensgleichheiten.

Ein häufiger Nachname kann zu falschen Verbindungen führen.

Selbst ein vollständiger Name reicht manchmal nicht aus.

Deshalb werden zusätzliche Merkmale geprüft:

Beruf.

Arbeitgeber.

Ausbildung.

Ort.

Geburtsjahr, sofern öffentlich und relevant.

frühere Funktionen.

und zeitliche Überschneidungen.

Erst wenn die Identität ausreichend gesichert ist, darf eine Linie in der Karte entstehen.

7. NICHT JEDE LINIE IST GLEICH STARK

Eine der wichtigsten Regeln lautet:

Eine Verbindung ist nicht einfach nur „vorhanden“ oder „nicht vorhanden“.

Ihre Bedeutung hängt von ihrer Art ab.

Eine einmalige Teilnahme an einer Konferenz ist etwas anderes als ein fünfjähriges Vorstandsmandat.

Ein öffentliches Gespräch ist etwas anderes als eine formelle Bestellung in ein Gremium.

Eine frühere Mitgliedschaft ist etwas anderes als eine aktuelle Leitungsfunktion.

Deshalb werden Verbindungen nicht nur gesammelt.

Sie werden klassifiziert.

Welche Funktion?

Welche Dauer?

Welche institutionelle Nähe?

Welche Quelle?

Welche zeitliche Überschneidung?

Erst diese Angaben ermöglichen eine sinnvolle Interpretation.

8. VERBINDUNG, ZUGANG, EINFLUSS UND ENTSCHEIDUNG SIND VERSCHIEDENE DINGE

Diese Unterscheidung zieht sich durch das gesamte Projekt.

Zwei Personen können sich kennen.

Eine Person kann Zugang zu einer Institution besitzen.

Sie kann versuchen, Einfluss auszuüben.

Und dennoch kann eine Entscheidung völlig anders ausfallen.

Deshalb werden vier Ebenen voneinander getrennt:

Verbindung.

Zugang.

Einfluss.

Entscheidungsmacht.

Wer diese Ebenen vermischt, macht aus einer Netzwerkkarte eine Behauptungsmaschine.

Wer sie trennt, kann zeigen, was tatsächlich belegt ist – und wo die Belege enden.

9. DAS FEHLEN EINES BEWEISES IST EBENFALLS EINE INFORMATION

Recherche bedeutet nicht nur, Verbindungen zu finden.

Manchmal besteht die wichtigste Erkenntnis darin, dass sich eine vermutete Verbindung nicht belegen lässt.

Dann darf sie nicht als Tatsache dargestellt werden.

Eine seriöse Untersuchung muss auch sagen können:

nicht nachgewiesen,

nicht ausreichend dokumentiert,

widersprüchliche Angaben,

oder derzeit nicht belegbar.

Das macht eine Karte nicht schwächer.

Es macht sie belastbarer.

10. QUELLEN MÜSSEN ZUM LESER ZURÜCKFÜHREN

Ein wesentliches Prinzip von MACHTNETZWERKE DEUTSCHLAND ist deshalb die Nachvollziehbarkeit.

Wo immer möglich, sollen Quellen so angegeben werden, dass der Leser selbst weiterprüfen kann.

Nicht nur der Name einer Institution.

Nicht nur „laut Presseberichten“.

Sondern möglichst die konkrete Fundstelle:

Dokument.

Register.

Bericht.

Gesetz.

Parlamentsseite.

und – wo sinnvoll – der direkte Internetlink.

Das ist besonders wichtig für die digitale Ausgabe.

Ein Leser soll einer Spur folgen können.

11. DIE KARTE WÄCHST NICHT KAPITELWEISE

Bei der Arbeit an einem Netzwerkbuch geschieht etwas, das bei einem klassischen Sachbuch weniger sichtbar ist.

Eine neue Quelle kann einen alten Abschnitt verändern.

Ein Name aus einem Wirtschaftskapitel kann plötzlich in einem Kapitel über Stiftungen wieder auftauchen.

Eine Person aus einem Verband erscheint Jahre später in einer staatlichen Funktion.

Ein Experte verbindet Wissenschaft, Medien und politische Beratung.

Damit wächst die Karte nicht sauber von Kapitel 1 bis zum letzten Kapitel.

Sie wächst quer durch das Buch.

Jeder neue Fund kann eine bereits bekannte Struktur neu verbinden.

12. DER WICHTIGSTE NAME IST NICHT IMMER DER BERÜHMTESTE

Prominente Namen fallen sofort auf.

Doch Netzwerkanalyse funktioniert anders als eine Rangliste der Bekanntheit.

Manchmal ist eine öffentlich wenig bekannte Person strukturell interessanter, weil sie mehrere Institutionen miteinander verbindet.

Sie erscheint vielleicht in einem Unternehmen.

Dann in einem Verband.

Später in einer Stiftung.

Oder in einem staatlichen Beratungsgremium.

Je mehr dokumentierte Bereiche eine Person verbindet, desto wichtiger kann sie für die Struktur der Karte werden.

Nicht weil sie automatisch „mächtiger“ ist.

Sondern weil sie eine Brücke zwischen verschiedenen institutionellen Welten bildet.

13. AUS TAUSENDEN EINZELINFORMATIONEN ENTSTEHT EIN BILD

Am Anfang stehen Dokumente.

Dann Namen.

Dann Funktionen.

Dann Zeiträume.

Dann Organisationen.

Dann Verbindungen.

Viele davon bleiben isoliert.

Andere treffen sich.

Manche bilden kleine Gruppen.

Und einige wenige verbinden Bereiche, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben schienen.

Genau dort beginnt der Unterschied zwischen einer Sammlung von Lebensläufen und einer Netzwerkanalyse.

WARUM DIE WEBSITE NICHT DAS GANZE BUCH ZEIGT

Die Artikel dieser Website zeigen einzelne Mechanismen.

Sie erklären, warum Frankfurt wichtig ist.

Wie politische Stiftungen funktionieren.

Warum Eigentum und Stimmrecht nicht dasselbe sind.

Wie Karrierewechsel dokumentiert werden können.

Wie Expertenwissen und Umfragen in den politischen Raum gelangen.

Und wie aus wiederkehrenden Namen ein Netzwerk entsteht.

Doch die eigentliche Gesamtkarte entsteht erst, wenn alle diese Ebenen miteinander verbunden werden.

Diese Arbeit gehört ins Buch.

Denn dort geht es nicht mehr nur um einzelne Mechanismen.

Dort geht es um die Frage:

Welche Personen, Institutionen und Organisationen verbinden mehrere dieser Welten gleichzeitig?

FOLLOW THE EVIDENCE. FOLLOW THE NETWORK.

MACHTNETZWERKE DEUTSCHLAND beginnt deshalb nicht mit einer Antwort.

Es beginnt mit einer Methode.

Dokumentieren.

Vergleichen.

Datieren.

Verifizieren.

Verbinden.

Und dort, wo die Belege nicht ausreichen:

nicht behaupten.

Erst danach entsteht die Karte.

FOLLOW THE EVIDENCE.
FOLLOW THE NETWORK.

MACHTNETZWERKE DEUTSCHLAND
Patrick Panteix

QUELLEN / SOURCES

Gemeinsames Registerportal der Länder
Amtlicher Zugang zu Handels-, Genossenschafts-, Partnerschafts-, Gesellschafts- und Vereinsregistern sowie zu aktuellen, chronologischen und historischen Registerinformationen und eingereichten Dokumenten.
Registerportal der Länder – Informationen

Unternehmensregister
Zentrale Plattform für Registerinformationen, Jahresabschlüsse, Finanzberichte, Kapitalmarktinformationen und weitere rechtlich relevante Unternehmensdaten.
Unternehmensregister – Suche und Datenbestände

Unternehmensregister – Registerinformationen
Informationen zu aktuellen, chronologischen und historischen Registerauszügen sowie zu eingereichten Dokumenten.
Unternehmensregister – Registerinformationen

Lobbyregister beim Deutschen Bundestag
Informationen über Zweck, Inhalt und gesetzliche Grundlagen des öffentlichen Lobbyregisters für Interessenvertretung gegenüber Bundestag und Bundesregierung.
Deutscher Bundestag – Einführung in das Lobbyregister

Lobbyregister – Personensuche
Suche nach im Lobbyregister genannten Interessenvertretern, vertretungsberechtigten Personen, betrauten Personen, Auftraggebern und weiteren namentlich erfassten Personen.
Deutscher Bundestag – Personensuche im Lobbyregister

Deutscher Bundestag – Tätigkeiten und Einkünfte neben dem Mandat
Informationen zu gesetzlichen Anzeige- und Veröffentlichungspflichten der Bundestagsabgeordneten für bestimmte Tätigkeiten, Funktionen und Beteiligungen.
Deutscher Bundestag – Tätigkeiten und Einkünfte neben dem Mandat

Deutscher Bundestag – Öffentliche Anhörungen
Informationen über die Einbindung von Sachverständigen, Fachleuten und Interessenvertretern in die Ausschussarbeit des Deutschen Bundestages.
Deutscher Bundestag – Anhörung

Continue the Climate Prediction Audit

Recherchewand mit Namen, Funktionen, Dokumenten und Verbindungslinien zur Analyse politischer und wirtschaftlicher Netzwerke in Deutschland.Wenn dieselben Namen immer wieder auftauchen: Wie aus Verbindungen ein Netzwerk wirdExperten, Studien, Umfragen, Medien und politische Anhörungen als Stationen der Wissensproduktion in Deutschland.Wer produziert das Wissen, das Politik beeinflusst?Symbolische Drehtür zwischen staatlichen Institutionen und der Privatwirtschaft in Deutschland mit Karrierewegen in beide Richtungen.Vom Staat in die Wirtschaft – und zurück: Wie die Drehtür funktioniert

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